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Die Anstalt: Das Netzwerk der korrupten deutschen Journalisten

ZDF Die Anstalt vom 29. April 2014

Korruption und Journalismus
By BK, on Juli 29th, 2013
Journalisten gelten als Vierte Gewalt im Staat. Sie verfügen über die Macht, öffentliche Diskussionen zu lenken und das politische Geschehen zu beeinflussen. Entsprechend wichtig ist es, dass Medienvertreter jede Beeinflussung durch Dritte ablehnen und hohen moralischen Grundsätzen folgen. Denn mit hoher Macht geht hohe Verantwortung einher. Doch die Zunft kennt viele schwarze Schafe. Das zeigt eine Studie des Netzwerks Recherche, die ich mitverfasst habe.

Da gibt es beispielsweise die von Unternehmen gesponsorten First-Class-Flüge, Bordellbesuche oder Aufenthalte in teuren Ferienresorts, die von Journalisten dankend angenommen wurden. Die exklusiven und inhaltlich nicht erforderlichen Reisen führten nach Südafrika, China oder die Vereinigten Staaten. Immer unter dem Deckmantel einer Geschäftsreise. Unter den Eingeladenen befanden sich ebenso freie Journalisten wie hochbezahlte Chefredakteure. Und nur wenige der Meinungsmacher finden ihr Handeln im Nachhinein verwerflich, entwickeln so etwas ein Unrechtsbewusstsein.

Ähnlich sieht es bei Kooperationen aus. Da schreibt die altehrwürdige ZEIT auf Ihrer Webseite einen Essaywettbewerb aus zum Thema "Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft". Doch den Sieger kürt der Kooperationspartner, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die jedes Jahr Millionenbeträge von der Arbeitgeberindustrie für ihre Lobbyarbeit kassiert. Anscheinend kein Problem für den ZEIT-Verlag, der auf diese Weise seinen guten Namen für eine PR-Aktion der Industrie hergibt.

Ebenjene INSM ist auch Kooperationspartner von Focus Money. Hier geht es um das Erstellen von Schulmaterial. Und auch das ist ganz auf Linie der Lobbyisten. Da reden Focus-Money-Journalisten Niedriglöhne schön ("bietet mehr Chancen als Risken") oder fordern den Abbau von Subventionen. Mit den Argumenten der Initiative. Kein Wunder, denn die von Focus zitierten pseudoneutralen Studien entpuppen sich bei näherem Hinsehen als von der INSM finanziert. Lobbyarbeit vom Feinsten, direkt hinein in die Köpfe der Kleinsten.

Noch einen Schritt weiter geht die WAZ-Women-Group der Funke-Mediengruppe (ehemals WAZ-Mediengruppe). Hier scheint das Einbinden von Schleichwerbung ein bisher noch nicht gekanntes Maß erreicht zu haben. So finden sich in den Titeln Hunderte konkreter Empfehlungen für spezifische Markenartikel. Obwohl der Artikel dies nicht erfordert. Die WAZ hat dafür eine erstaunliche Antwort parat: "Sofern Produktvorstellungen und Darstellungen von Bezugsquellen erfolgen, entspricht dies dem Interesse der Leser."

Die Reaktion der Medien auf die Studie ist erwartbar — ertappte Medien wie FAZ, Handelsblatt, Wirtschaftswoche, Süddeutsche oder ZEIT berichten gar nicht oder nur minimal über die Studie. Von anderer Seite gibt es hingegen gute Artikel und Radiobeiträge. Besonders bitter muss die Studie all jenen ehrbaren Journalisten aufstoßen, die es nicht schaffen, innerhalb der Häuser gegen ihre korrupten Kollegen anzugehen. Und so bleibt ein fahler Nachgeschmack und die nicht neue Einsicht, dass es Zeit ist, den unverbindlichen Pressekodex durch strikte Regeln und Sanktionsmaßnahmen zu ergänzen.

Disclaimer: Ich habe für die Zusammenstellung der Fallstudien und die zusätzlichen Recherchen ein Honorar von der Otto-Brenner-Stiftung erhalten. Dabei handelt es sich um die Wissenschaftsstiftung der IG Metall. Die Stiftung hat zu keinem Zeitpunkt Vorgaben erstellt oder Einfluss auf den Inhalt genommen.

Textquelle: http://www.investigativerecherche.de/…

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