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Gabi Weber: DIE WAHRHEIT WIRD UNS FREI MACHEN? Zum Fall Cafe Palestine Freiburg gegen Universität Freiburg

Westseite Kollegiengebäude I, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Universitätsdevise (Johannes 8,32)

 

Ich wuchs in einem Land auf, von dem ich dachte, dass es offen und tolerant sei. Deutschland hatte sich nach dem 2. Weltkrieg dazu verpflichtet,  Schuld in Verantwortung umzuwandeln. Für mich war deshalb immer klar, dass unser Bekenntnis zu den "unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt" (1) sowie die freie Meinungsäußerung (2) die wertvollsten Grundwerte darstellen und wichtige Lehren sein müssen, die wir aus unserer problematischen Vergangenheit zu ziehen haben.

Deshalb hat es mich tief bestürzt, als die Universität Freiburg – eine der ältesten Universitäten Deutschlands – im September 2012 eine Raumanfrage unseres Vereins, Cafe Palestine Freiburg e. V., für einen Vortrag des renommierten französischen Chirurgen, Professor Christophe Oberlin, der über plastische Chirurgie in Gaza sprechen sollte, absagte.

Die Freiburger Universität bietet eine Plattform für politische Veranstaltungen aller Art, unter anderem und regelmäßig auch für Vorträge bekannter israelischer Hasbara-Organisationen, wie der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG, z.B. aktuell) und der anti-Deutschen ISF. Einladungen der DIG werden sogar offiziell über den Universitätsverteiler verschickt (3).

Doch aus unerklärlichen Gründen endet die Meinungsfreiheit für die Universität, wenn es um die Not der Palästinenser geht. Cafe Palestine Freiburg e. V. und seine ReferentInnen sollen künftig nicht über das Leid des palästinensichen Volkes in den Räumen der Universität sprechen und werden denunziert.

Die Wahrheit macht uns also, entgegen der öffentlich, in goldenen Lettern verkündeten Devise der Universität, doch nicht frei?

Wir beschlossen, die Feststellungsklage beim  Verwaltungsgericht Freiburg einzureichen und hoffen, dass ein gerechtes Verfahren dazu beitragen wird, dass die Universität Freiburg zugibt, eine falsche Einschätzung und damit Entscheidung getroffen zu haben.

Was geschieht aber, wenn unser Verein vor Gericht verliert? Dann sollte uns dieser Fall eine Lehre sein, da wir zu der Erkenntnis gelangen müssten,  dass sich in wichtigen Teilen unserer Gesellschaft die Haltung im Hinblick auf Wahrheit, Meinungsfreiheit, Toleranz und universelle Gerechtigkeit verändert hat. Sollte dies der Fall sein, dann wäre es gut, wenn wir Alle künftig dieser Tatsache ins Auge sehen würden.

Für mich persönlich würde dies bedeuten, dass ich die Grundlagen der Erziehung meiner drei deutsch-palästinensischen Kinder überdenken müsste. Ich müsste ihnen nahe legen, dass es besser wäre, wenn sie zu Unrecht (speziell dem palästinensischen Volk gegenüber) schweigen würden.

Gabi Weber

Freiburg, 18.4.13


(1) Grundgesetz Art. 1 (2)
(2) Grundgesetz A
rt. 5

(3) Email, die über den Universitätsverteiler versandt wurde


——– Original-Nachricht ——–

Betreff: WG: Veranstaltung mit Historiker Prof. Wolffsohn
Datum: Fri, 12 Apr 2013 11:14:29 +0200
Von: Dekanat der Rechtswissenschaftlichen Fakultät <dekanat@jura.uni-freiburg.de>
An: <institute@jura.uni-freiburg.de>

Zu Ihrer Information!

 

Dekanat

Rechtswissenschaftliche Fakultät

der Albert-Ludwigs-Universität

Platz der Alten Synagoge

D-79085 Freiburg i.Br.

 

Tel. +49 (0)761 203-2145

Fax +49 (0)761 203-2137

 

Von: Andrea Lauser [mailto:andrea.lauser@t-online.de]
Gesendet: Freitag, 12. April 2013 10:32
An: Andrea Lauser
Betreff: Veranstaltung mit Historiker Prof. Wolffsohn

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Deutsch-Israelische Gesellschaft laden herzlich ein zu einer Veranstaltung mit dem Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn am Dienstag, den 23. April 2013 um 20 Uhr in der Universität Freiburg, KG I, HS 1098. Thema des Vortrags mit Diskussion wird sein: Friedensformel für Nahost – Bundesrepublik Jordanien-Palästina. Nähere Informationen finden Sie in der angehängten pdf-Datei.

Um Anmeldung wird gebeten unter 0761 1564807-0, unter kas-freiburg@kas.de oder per Fax unter 0761 1564807-9.

Mit freundlichen Grüßen,

Andrea Lauser

Deutsch-Israelische Gesellschaft Freiburg

 

Mettackerweg 55

79111 Freiburg

Tel.: 0761 4767972

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