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Gabi Weber: KOPI-Konferenz Frankfurt – Neues von der Israellobby – Kleine Presseschau

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Liebe Leserinnen und Leser,

gestern Abend kam ich von der Konferenz zum Thema „50 Jahre israelische Besatzung“ des Koordinationskreises Palästina Israel (KOPI) aus Frankfurt zurück. Es hat sich gelohnt, den Weg nach Frankfurt zu machen. Die Konferenz mit SprecherInnen wie Majda Al Masri, George Rashmawi, Jamal Juma´a, Iris Hefets, Moshe Zuckerman, Ilan Pappe und Norman Paech war ausgezeichnet, vielseitig und sehr gut besucht. Großes Dankeschön an die Verantwortlichen des KOPI!

Wie ich in meiner Mail von vorgestern schrieb, war eine Gegendemonstration der Israellobby unter Anführung von Sacha Stawski (Honestly Concerned) und mit „Staraufgebot“ an Rednern der deutschen Israellobbyisten geplant.

Unter großem Polizeiaufgebot fand sowohl eine pro-palästinensische als auch die pro-israelische Versammlung jeweils am entgegengesetzten Ende des Veranstaltungsorts in der Kasseler Straße statt.

Marlene Stripecke von der BDS-Gruppe aus Bonn und ich selbst waren sehr daran interessiert, heraus zu finden, ob wir mit der „anderen Seite“ ins Gespräch kommen könnten. Deshalb begaben wir uns mit einem umgehängten Schild voller Erwartungen in Richtung Israellobby am gegenüberliegenden Ende der Straße. Auf unseren Schildern stand : „50 Jahre Besatzung! Ist das kein Unrecht?“

Marlene-Gabi2-9-6-17
Quelle: Arbeiterfotografie

Außer dem durch einen heftigen Wolkenbruch völlig durchnässten Sacha Stawski, der auf nachfolgendem Photo wie ein begossener Pudel neben dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck zu sehen ist, waren kurz vor offiziellem Beginn ca. 30 Menschen vor der Israelfahnen-geschmückten Location anzutreffen. Ein ebenso mit Fahnen dekorierter weißer Mercedes hatte als „Nummernschild“ den Wunsch angehängt bekommen „Free Gaza from Hamas“!!!!

Stawski und Beck-Frankfurt
Quelle

Armes Gaza – solche „Freunde“ willst du nicht!

FrankfurtDemo-Israel9-6-177

Marlene Stripecke und ich näherten uns der Absperrung, an der eine Israel-Anhängerin auf und ab lief und begann, uns zu beschimpfen. Marlene Stripecke wies die Dame freundlich darauf hin, dass sie selbst jüdische Wurzeln habe, was die erregte Israelfreundin nicht glauben wollte. Stattdessen zeterte sie weiter herum, welche Schande es sei, dass wir „nichts kapiert“ hätten.

In der Zwischenzeit war ein älterer blau-weiß dekorierter Herr an mich heran getreten und fragte sehr freundlich, ob ich wisse, dass es gar keine Palästinenser gäbe. Wow, das traf mich bis ins Mark!
Ich war 20 Jahre lang der festen Überzeugung gewesen, dass die Ehe mit meinem Ex-Mann, der behauptet hatte, er sei Palästinenser aus dem Gazastreifen, in die Rubrik „deutsch-palästinensische“ und somit „interkulturelle“ Ehe einzustufen gewesen war und dass aus dieser Ehe drei wunderbare palästinensisch-deutsche Kinder hervor gegangen sind. Und nun erfahre ich in Frankfurt, dass es gar keine Palästinenser gibt? 20 Jahre meines Lebens sollte ich also einer vollkommenen Lüge aufgesessen sein?
Der nette Herr versuchte im Anschluss, mich zu beruhigen und erklärte mir, dass auch Yasser Arafat kein Palästinenser gewesen sei, da er aus Ägypten gestammt hätte.
Puuuh, mir fiel ein Stein vom Herzen – wenn selbst Arafat kein Palästinenser war, dann ist der 20jährige „Irrtum“ meines Lebens doch gleich nur halb so schlimm.

Die Erkenntnis, dass das intellektuelle Niveau der Israelfreunde deutlich zu wünschen ließ, machte uns etwas ratlos. Die Entscheidung, was zu tun sei, wurde uns allerdings kurzerhand von einem der Einsatzleiter des großen Polizeiaufgebots erleichtert. Er wies uns höflich darauf hin, dass wir uns schnell überlegen müssten, an welcher der drei stattfindenden Hochzeiten wir denn nun gerne teilnehmen würden: an der Israelischen – dann aber bitte ohne Schild und Pali-Tuch – an der Palästinensischen auf der gegenüberliegenden Seite, oder an der in der Mitte: der Konferenz von KOPI, auf der sowohl Palästinenser als auch Israelis und Deutsche teilnehmen durften.

Sonnenklar, wo wir hingehen würden, oder?

Dass die Entscheidung für die KOPI-Konferenz die Richtige war, bestätigte sich spätestens dann, als ich vom Garten des Tagungsorts aus hören konnte, wie der Frankfurter Bürgermeister Becker zu Beginn seiner Rede sagte, dass der Himmel in den Farben Israels (blau-weiß) erstrahlt wäre. (Vielleicht ist erwähnenswert, dass der gleiche Himmel nur kurz zuvor tiefschwarz und voller Donnerwolken gewesen war).

Vom weiteren geistigen Niveau der pro-israelischen Veranstaltung können Sie sich gerne selbst überzeugen: sowohl bei „Honestly Concerned“ als auch bei Jutta Ditfurth auf ihrer Facebook-Seite (Links siehe unten). Auch Ditfurth´s haarsträubende Unrede ist dort gepostet, beginnend mit einem Himmler-Zitat.

Einmal mehr stellt sich die Frage, wer eigentlich bei uns in Deutschland Antisemitismus fördert. Bilden Sie sich selbst ein Urteil.

Wer solche „Freunde“ hat, braucht keine Feinde mehr.

Wie Sie dem im Anhang befindlichen Artikel aus dem heutigen Lokalteil der FAZ entnehmen können, lässt die journalistische Sorgfalt einmal mehr zu wünschen übrig: Das Zitat auf unseren Schildern wird gleich im ersten Absatz falsch wiedergegeben.
Sei´s drum – gut, dass wir durch das Internet die Möglichkeit haben, Dinge klarzustellen.

FAZ-Artikel9-6-17

Die Vorträge der Konferenz finden Sie nach und nach auf der Homepage von KOPI. Einen kleinen Teil davon werde ich in den nächsten Tagen auf der Facebook-Seite von Cafe Palestine Freiburg hochladen.

Und hier noch eine kleine Presseschau:

FRANKFURTER RUNDSCHAU Interview mit Matthias Jochheim, IPPNW, KOPI: http://www.fr.de/frankfurt/reaktion-auf-kritik-von-israelhass-kann-keine-rede-sein-a-1292617

HESSENSCHAU http://hessenschau.de/politik/protest-gegen-israelkritische-konferenz-in-frankfurt,israel-100.html

TAZ https://www.taz.de/Umstrittene-Konferenz-in-Frankfurt/!5415933/

JÜDISCHE ALLGEMEINE http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/28773

Israellobbyist „Honestly Concerned“ – Sacha Stawski – http://honestlyconcerned.info/

Israellobbyistin Jutta Ditfurth hat auf ihrer Facebook-Seite ein „WHO is WHO“ der KOPI-Konferenz aus israelliebäugelnder Sicht fabriziert: https://www.facebook.com/jutta.ditfurth.5?fref=ts

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