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Noam Chomsky: Unter den Augen Israels – Vor 20 Jahren: Sabra und Shatila – Chronologie eines Massakers

Noam Chomsky zeichnet auf der Grundlage von Presseberichten, israelischen Dokumenten und alternativen Quellen das Massaker nach, das christliche Milizen am 16./17. September 1982 in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila verübten. Wir dokumentieren seine Analyse als Vorabdruck aus der aktualisierten Neuauflage seines Nahost-Buches**.

Am 16. September, einem Donnerstag, drangen Lastwagen voller Soldaten der falangistischen und haddadistischen Truppen in die Lager ein. Sie waren hinter den israelischen Linien stationiert gewesen, fuhren dann zu einem von Israel festgelegten Bereitstellungsraum und folgten sorgfältig vorbereiteten und markierten Routen. Die Falangisten stammten offenbar größtenteils aus der Brigade Damouri, die seit Juni hinter den israelischen Linien operiert hatte. Diese Einheiten gehörten zu den »extremistischer eingestellten Teilen der christlichen Milizen« und waren »für ihre an der palästinensischen Zivilbevölkerung verübten Greueltaten bekannt«. Sie kamen aus Dörfern, die unter brutalen Vergeltungsmaßnahmen der PLO im Gefolge der falangistischen Massaker von 1976 gelitten hatten. Die Haddad-Milizen »sind praktisch Bestandteil der israelischen Armee und operieren unter ihrem Kommando«. (Thomas L. Friedman, New York Times, 20., 21., 26. und 27. September 1982)

Die von Israel mobilisierten Streitkräfte wurden in die jetzt schutzlosen Lager geschickt, um »aufzuräumen« und, so Scharon, »Terroristennester auszuheben«. Wer auch nur ein bißchen mit den Umständen vertraut war, konnte sich vorstellen, was geschehen würde, und am Abend des 16. September zeichnete sich ab, daß diese Erwartungen erfüllt würden. Es gab hinlänglich Beweise dafür, daß dort ein Massaker stattfand. Während der Nacht wurden die Lager von israelischen Scheinwerfern erhellt, während die Milizen die Bewohner systematisch abschlachteten. Das Massaker dauerte bis zum Samstag morgen. Es spielte sich unter den Augen des israelischen Militärs ab. Die Leichen wurden mit Bulldozern zusammengekehrt und abtransportiert oder unter Müll begraben. Ein »extra ausgehobenes Massengrab« befand sich direkt unterhalb eines israelischen Kommandozentrums, von dessen Dach aus man »auf das Grab und das dahinterliegende Lager« hinunterblicken konnte. Israelische Truppen, die »nicht einmal einhundert Meter weit entfernt stationiert waren, hatten weder auf das Geräusch fortwährenden Gewehrfeuers noch auf den Anblick von Lastwagen voller Leichen, die aus den Lagern abtransportiert wurden, reagiert«, sondern westlichen Journalisten mitgeteilt, daß sich »nichts Ungewöhnliches« abspiele. Bisweilen mischten sie sich unter die Falangisten, die sich in den Lagern von ihrer Tätigkeit ausruhten. (David Lamb, Los Angeles Times, 20. September 1982)

»Sie taten nichts, um das Gemetzel aufzuhalten«

Am Freitag nachmittag trafen sich Stabschef Eitan und die Generäle Drori und Jaron mit dem falangistischen Kommando. Eitan gratulierte den Milizen zu ihrer »guten Arbeit«, bot ihnen einen Bulldozer an, von dem die Kennzeichen der IDF (israelischen Armee) entfernt worden waren, und genehmigte ihnen einen Aufenthalt von weiteren zwölf Stunden in den Lagern. Die Tötungsaktionen wurden fortgesetzt. Am Sonntag morgen gegen fünf Uhr verließen die Mörder den Schauplatz, und nach 36 Stunden war das Massaker vorbei. Später am Morgen betraten Reporter das Lager, lange vor den israelischen Soldaten, und allmählich erfuhr die Welt von den Vorgängen. Scharons Bericht vor der Knesset zufolge waren israelische Soldaten sogar erst am Sonntag in Sabra präsent, während sie Schatila gänzlich unberührt ließen, was die israelische Regierung nicht daran hinderte, sich offiziell dafür zu rühmen, dem Massaker Einhalt geboten zu haben, als die internationale Staatengemeinschaft auf die Vorfälle zu reagieren begann.

Die Umstände und die Stationierung der Truppen lassen erkennen, daß das israelische Militär genau wußte, was in den Lagern geschah, hatte es doch die Mörderbanden selbst organisiert und dorthin entsandt. Ebenso war der zaristischen Polizei und Armee bekannt, was im jüdischen Viertel von Kischinjow vor sich ging. Der Militärkorrespondent Hirsh Goodman von der Jerusalem Post berichtete: »Das Oberkommando der IDF wußte Donnerstag nacht, daß im Flüchtlingslager Schatila Zivilpersonen von falangistischen Truppen getötet wurden.« General Jaron empfing von dem falangistischen Kommandeur aus Schatila über Funk die Nachricht, daß »300 Zivilisten und Terroristen umgebracht worden sind«, was in »direktem Widerspruch« zu Verlautbarungen von Eitan und Scharon steht, es habe bis Samstag morgen nur »Mutmaßungen« gegeben. Weitere Beweise dafür, daß Jaron schon am Donnerstag abend von dem Massaker wußte, lieferte die Kahan-Untersuchungskommission, auf die wir noch zurückkommen. Der Jerusalem Post zufolge lieferte der US-amerikanische Geheimdienst »gesicherte Informationen …, die bestätigten, daß israelische Offiziere in Beirut von den brutalen Tötungsaktionen schon einige Stunden vor dem Betreten der Lager durch israelische Soldaten Kenntnis besaßen«, und vor den Soldaten waren die Journalisten bereits dort gewesen. »Sie rührten sich einfach nicht«, heißt es in einer vertrauenswürdigen US-amerikanischen Quelle, was sich auf hochrangige israelische Militärs bezog, die vor den Lagern warteten. »Sie taten nichts, um das Gemetzel aufzuhalten.« US-Regierungsbeamte bemerkten, Scharon und Eitan hielten die Operation für »gerechtfertigt«, weil die »Notwendigkeit, die libanesische Hauptstadt von allen Terroristen zu ›säubern‹, schwerer wiege. Wenn dabei Unschuldige sterben, ist das der Preis, den jeder Krieg nun einmal kostet«. (Wolf Blitzer, Jerusalem Post, 24. September 1982) Vielleicht hegten die Offiziere des Zaren ähnliche Gedanken.

Am Donnerstag abend um 22 Uhr berichtete medizinisches Personal aus einem Krankenhaus, daß 2000 verängstigte Zivilisten dort Zuflucht gesucht hätten. Sie schrien: »Falangisten, Haddad, Israel« und deuteten durch Handbewegungen an, daß im Lager Menschen die Kehle durchgeschnitten würde. Am Freitag morgen gegen 5 Uhr 30 erhielt der israelische Geheimdienst die Nachricht, daß 300 »Zivilisten und Terroristen« getötet worden seien. Die Information wurde an das Verteidigungsministerium weitergeleitet. Um 8 Uhr setzten israelische Soldaten ihre Vorgesetzten davon in Kenntnis, sie hätten beobachtet, »daß falangistische Soldaten Zivilpersonen in deren Wohnungen umbrachten«, während andere geschlagen und getreten würden. Sie erhielten die Antwort: »Wir wissen, daß dies nicht nach unserem Geschmack ist, aber wir sollen uns da raushalten.« (Alon: »The slaughter in the camps«, Friedman, NYT, 20. September 1982)

Am Freitag berichteten Journalisten über die Greueltaten. Loren Jenkins schrieb in der Washington Post: »Obwohl die israelische Armee einen Sicherheitskordon errichtet hatte, um Beobachter von den Flüchtlingslagern fernzuhalten, berichteten Zivilisten, denen die Flucht gelang, von gewaltsamen Repressalien seitens der Milizen« und gaben Details an. In der New York Times veröffentlichte Colin Campbell am Freitag einen Artikel, in dem es hieß: »Während israelische Panzer vor den Lagern Wache hielten, drangen falangistische Milizionäre zu Fuß und mit Jeeps in die zerschossenen Lager von Sabra und Schatila ein. Der Lärm automatischer Waffen drang nach außen, und in der Innenstadt von West-Beirut tauchten hysterisch weinende Frauen auf, die sagten, daß bewaffnete Falangisten ihre Ehemänner und Söhne mit sich genommen hätten.« (NYT , 18. September 1982)

Am Freitag morgen erfuhr Ze’ev Schiff von den Vorgängen und setzte Regierungsbeamte davon in Kenntnis, nicht jedoch die Öffentlichkeit. »Es ist nicht wahr«, schrieb er später, »daß uns, wie offizielle Quellen behaupten, das Verbrechen erst am Samstag mittag nach Berichten ausländischer Korrespondenten in Beirut bekannt wurde. Als ich am Freitag morgen von dem Gemetzel in den Lagern erfuhr, gab ich die Information an einen hochrangigen Beamten [den Minister Mordechai Zipori] weiter, der, wie ich weiß, sofort handelte«, – d.h., er informierte Außenminister Schamir, der vor der Kahan-Kommission angab, die Nachricht nicht verstanden zu haben. Schiff fügte hinzu: »Diese Affäre wird uns verfolgen. Man wird behaupten, wir hätten die Murabitun und die linken Milizen entwaffnet und die palästinensischen Männer inhaftiert, um den Falangisten die widerstandslose Vernichtung ihrer Kinder, Frauen und Alten zu ermöglichen.« (Ze’ev Schiff: »War Crime in Beirut«, Ha’aretz, 20. September 1982)

Während der Massaker konnten nur die Soldaten in den israelischen Beobachtungsposten sehen, was in den Lagern vor sich ging. Friedman weist darauf hin, daß die Massengräber von den »mit Fernrohren und Feldstechern ausgestatteten Beobachtungsposten aus« mit bloßem Auge zu erkennen waren, aber, »ob die Israelis tatsächlich einen Blick auf die Geschehnisse warfen, blieb unklar«. Klar ist allerdings, daß israelische Soldaten »herumlungerten … Zeitschriften lasen und Songs von Simon und Garfunkel hörten … Unklar ist, ob die Israelis irgendeinen Schimmer davon hatten, was in den Lagern passierte, obwohl es von ihren Beobachtungsposten aus nicht schwer war, sich ein Bild zu verschaffen, zumal aus den Lagern Gewehrfeuer und Schreie zu hören waren.« (NYT, 20. und 26. September 1982) Unklar ist auch, ob diese Bemerkungen ironisch gemeint sind. (…)

Vertreter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes und libanesische Armeesoldaten bemerkten ebenfalls, es sei nicht vorstellbar, daß die israelischen Soldaten »übersehen konnten, was hier geschah. Es spielte sich direkt vor ihren Augen ab«. Andere berichteten, daß am Donnerstag abend Palästinenserinnen »ihnen voller Verzweiflung sagten, daß die Falangisten ihre Kinder erschießen und die Männer auf Lastwagen verfrachten würden«. Als der befehlshabende Offizier davon unterrichtet wurde, antwortete er: »Das geht in Ordnung, macht euch keine Sorgen.« (Loren Jenkins, Interview, National Public Radio, 20. September 1982) Wir sollten uns an diese Augenzeugenberichte erinnern, wenn wir uns später dem vielgelobten Bericht der Kahan-Untersuchungskommission zuwenden.

Eine Untersuchung durch die ABC-Nachrichtenredaktion ergab, daß am Freitag nachmittag wenigstens 45 israelische Offiziere von dem Massaker wußten – also zu eben jener Zeit, da der Stabschef den Falangisten erlaubte, mit ihrer »guten Arbeit«, zu der er sie beglückwünscht hatte, fortzufahren, und zu eben jener Zeit, als palästinensische Frauen, die aus den Lagern geflohen waren, dabei gefilmt wurden, wie sie israelische Soldaten anflehten, einzugreifen und das Gemetzel zu beenden. Die Soldaten antworteten jedoch, sie dürften ihre Posten nicht verlassen, und die Frauen wurden ins Lager zurückgeschickt. Einige Stunden zuvor hatte der norwegische Journalist John Hambro versucht, ein Lager zu betreten, war jedoch von einem Bulldozer, dessen Schaufel mit Leichen gefüllt war, daran gehindert worden. Ein israelischer Offizier bestätigte: »Es ist zweifelsfrei erwiesen, daß am Freitag nachmittag jeder Bescheid wußte. Zu dieser Zeit war, wie ich selber weiß, bereits bekannt, daß in Schatila Menschen umgebracht wurden.« Aus dem nahegelegenen Gaza-Krankenhaus berichtete ein Arzt, daß »die Patienten – die Opfer – fast ausschließlich Frauen und Kinder sind«, die durch Schüsse verletzt worden waren. (ABC news Closeup, 7. Januar 1983)

Vor der offiziellen Untersuchungskommission beschrieb General Amos Jaron die Auswechslung der falangistischen Truppen, die am Freitag nachmittag stattfand und »verwies darauf, daß Eitan den Milizen ohne Zögern erlaubte, bis zum nächsten Morgen in Sabra und Schatila zu bleiben. Er sagte aus, daß den Falangisten am Samstag, dem 18. September, nicht aus Furcht vor dem Tod von Zivilisten der Rückzug befohlen wurde, sondern weil ungenannte amerikanische Regierungsbeamte auf die Israelis Druck ausübten«. (Edward Walsh, Washington Post – Boston Globe –, 8. November 1982)

Draper: »Die Lage ist grauenhaft. Sie bringen Kinder um.«

Das stimmt. Kurz nach dem Abzug der Falangisten und bevor die Journalisten die Lager betraten, forderte der US-Sondergesandte Morris Draper: »Ihr müßt den Massakern Einhalt gebieten. Sie sind obszön. Ich habe einen Offizier ins Lager geschickt, um die Leichen zu zählen. Ihr solltet euch schämen. Die Lage ist grauenhaft. Sie bringen Kinder um. Ihr habt die absolute Kontrolle über das Gebiet und seid daher dafür verantwortlich.«

Am Abend zuvor hatte Draper vor »schrecklichen Folgen« gewarnt – die bereits eingetreten waren –, falls den Falangisten das Betreten der Lager erlaubt würde. (Aussage des israelischen Außenministeriumsbeamten Bruce Kaschdan vor dem Untersuchungskomitee, Norman Kempster, Los Angeles Times. 22. November 1982)

In seiner Aussage vor der Untersuchungskommission verwies General Jaron darauf, daß die israelische Armee durchaus den Versuch unternommen habe, Menschen vor dem Massaker zu bewahren. Er bekundete, daß er am Samstag morgen gegen sechs Uhr gesehen habe, wie eine Gruppe von Leuten »mit blonden Haaren« – Ärzte und Krankenschwestern aus dem Gaza-Hospital – von Falangisten weggebracht werden sollten. »General Jaron lief hinüber und befahl ihnen, die Gefangenen sofort freizulassen.« (Alon: »The slauter in the camps«, a.a.O.) Es wäre also ganz unfair, wenn nicht gar offener Antisemitismus, zu behaupten, daß die israelischen Truppen keinen Versuch unternommen hätten, dem Gemetzel Einhalt zu gebieten. (…)

Wie groß war der Umfang der Operation und wie hoch waren die Verluste? Nach vielen falschen und irreführenden Angaben gestand die israelische Regierung endlich ein, Falangisten in die Lager geschickt zu haben und bezifferte die Anzahl auf 100 bis 150; der Kahan-Kommission zufolge waren es 150. Offiziell begründet wurde die Aktion damit, daß die Lager von 2 000 schwerbewaffneten Terroristen »gesäubert« werden sollten, die von der PLO unter Verletzung des mit Habib ausgehandelten Abkommens dort zurückgelassen worden waren. In Ha’aretz (12. November 1982) kommentierte B. Michael: »So heldenhaft sind die christlichen Kämpfer!« Edward Walsh gibt Begins Antwort an die Kommission wider, in der dieser »erneut versicherte, daß ein Massaker nicht vorhersehbar gewesen sei und behauptete, die Regierung habe ›gesicherte Informationen‹ darüber gehabt, daß etwa 2000 palästinensische Kämpfer in dem Gebiet konzentriert seien«. Walsh kommentiert: »Bislang hat allerdings noch niemand öffentlich erklärt, wie 100 bis 130 Falangisten eine solche Übermacht besiegen sollten.« (Washington Post, 26. Dezember 1982) Robert Suro vom Time-Magazin hatte die Lager ein paar Tage vor dem Angriff besucht und dort keine militärische Präsenz entdeckt. (Time, 4. Oktober 1982) Es ist also höchst unklar, wo diese Terroristen geblieben sein könnten.

Natürlich lassen sich noch andere Fragen stellen. Wenn die Behauptung, die Falangisten sollten die israelischen Truppen bei den zu erwartenden schweren Kämpfen vor Verlusten schützen, aufgrund der geringen Zahl der Milizionäre als barer Unsinn abgetan werden kann, was bleibt dann als plausible Erklärung übrig? Israel hat die Falangisten in die Lager geschickt mit dem Wissen darum, was diese Truppen in der Vergangenheit getan hatten und wieder tun würden. Und erinnern wir uns an die ursprüngliche offizielle Behauptung, man habe West-Beirut besetzt, um die Palästinenser vor dem Terror der Falangisten zu schützen.

Die 2000 schwerbewaffneten Terroristen scheinen sich jedenfalls höchst ungeschickt angestellt zu haben, denn die Falangisten meldeten zwei getötete Milizionäre – genau die Zahl der Opfer, die die Mörder in Kischinjow zu verzeichnen hatten; ein makabrer Zufall. Allerdings ist nicht klar, ob die beiden Soldaten getötet oder nur verwundet wurden.

Wenden wir uns der Zahl der Opfer zu, die es unter den 2000 Terroristen gab. Scharon berief sich bei seiner Aussage auf »Zahlen des militärischen Geheimdienstes«, dem zufolge 700 bis 800 Personen getötet worden sind, zwanzigmal so viel wie beim Massaker von Kischinjow, 375 Terroristen für einen Falangisten. Diese Zahl wurde von der Kahan-Kommission als wahrscheinlichste Schätzung eingestuft, wobei jedoch libanesische Quellen unberücksichtigt blieben. Die libanesische Regierung gab an, daß man 762 Leichen geborgen habe, während weitere 1200 Tote von ihren Angehörigen privat bestattet wurden. Damit läge die Zahl der Opfer bei 2000, und vielleicht sind das die »2000 Terroristen«, die in der israelischen Presse und Propaganda immer wieder auftauchten.

Wer ist verantwortlich?

Als die Massaker beendet waren, zeigte das israelische Militär sofort jene Effizienz, derer es bei Bedarf fähig ist und wandte seine Aufmerksamkeit denjenigen zu, die das Gemetzel irgendwie überlebt hatten. Am frühen Samstag morgen forderten israelische Truppen, Berichten zufolge, die Überlebenden mit Lautsprechern auf, ein nahegelegenes Stadion aufzusuchen, wo sie, »wie Zeugen beobachten konnten, in kleine Gruppen eingeteilt und verhört wurden«. Die meisten wurden danach freigelassen, »einige jedoch, die im Verdacht standen, PLO-Mitglieder zu sein, wurden in Gewahrsam genommen«. Einige Tage später wies das US-Außenministerium darauf hin, daß »die Regierung mit Besorgnis von Berichten gehört hat, denen zufolge … israelische Streitkräfte in West-Beirut eine große Anzahl arabischer Männer unter dem Verdacht, es seien palästinensische Kämpfer, zusammengetrieben und sie in Gefangenenlager im Südlibanon verbracht hätten«. Israel bestätigte dies: »Ja, es hat Verhöre gegeben, und, ja, eine große Anzahl von Personen wurde festgehalten.« Zugleich hieß es: »Schwere Waffen, die der israelischen Armee bei der Invasion West-Beiruts in die Hände fielen, werden jetzt den christlichen Milizen übergeben, deren Einheiten bei dem Massaker an palästinensischen Zivilisten in den Flüchtlingslagern von Sabra und Schatila beteiligt gewesen sein sollen.« (J. Michael Kennedy und David Lamb, Los Angeles Times, 19.9.1982; David Binder, New York Times, 27.9.1982; Loren Jenkins, Washington Post – Boston Globe, 23.9.1982) Man fragt sich, ob der Zar sein Problem mit ähnlicher Eleganz gelöst hätte.

Ze’ev Schiff berichtet von einer »genehmigten Untersuchung« nach den Massakern, die gezeigt habe, daß es sich dabei um »einen geplanten Angriff (handelte), der eine Massenflucht von Palästinensern aus Beirut und dem gesamten Libanon bewirken sollte«. David Shipler merkt an, daß schon Mitte Juni »israelische Regierungsbeamte privatim einen von Scharon erwogenen Plan erwähnten, der vorsah, den Falangisten zu erlauben, in West-Beirut und den Lagern gegen die Palästinensische Befreiungsorganisation vorzugehen. Man rechnete damit, daß die Falangisten, die noch offene Rechnungen zu begleichen hatten und detaillierte Informationen über die palästinensischen Kämpfer besaßen, rücksichtsloser und möglicherweise auch effektiver vorgehen würden als die Israelis.« (Ze’ev Schiff, Ha’aretz, 28.10.1982; David K. Shipler, New York Times, 19.9.1982). Wie bereits erwähnt, wagten die Falangisten einen derartigen Vorstoß, zogen sich jedoch, genau wie die israelischen Truppen, angesichts massiven Widerstands sofort zurück. Man darf annehmen, daß Scharons Plan in die Tat umgesetzt wurde, als das Haupthindernis, der bewaffnete Widerstand gegen den Terror, beiseite geräumt war.

Als am Samstag, dem 18. September, die ersten Berichte von Journalisten über die Greueltaten die Öffentlichkeit erreichten, reagierte Israel mit der Bemerkung eines Militärsprechers: »Wir wissen nichts von diesen angeblichen Massakern.« Die Verärgerung in den USA wurde in Jerusalem als »Heuchelei« bezeichnet. Danach gab es eine ganze Reihe unterschiedlicher Rechtfertigungsversuche (die Falangisten hätten die Lager über ein nicht unter israelischer Kontrolle stehendes Gebiet erreicht usw.), aber schon bald wurde deutlich, daß es zu viele glaubwürdige Augenzeugen gab, und so nahm man von derlei Erklärungen Abstand. Die Weltöffentlichkeit reagierte mit Entsetzen. Die UN-Generalversammlung verurteilte das Massaker mit 147 gegen 2 Stimmen bei keiner Enthaltung, wobei die Gegenstimmen, wie üblich, von Israel und den USA kamen. Aber auch in diesen beiden Ländern gab es gewichtige Proteste, wie etwa die Großdemonstration in Israel, an der 400 000 Personen teilnahmen. In den USA wurde diese Kundgebung ausgenutzt, um die Unterstützung für Israels neue Siedlungen in den besetzten Gebieten und für die Militäraktionen im Libanon zu erweitern.

Allerdings ist der von israelischen Regierungssprechern erhobene Vorwurf der Heuchelei nicht unberechtigt. Die mit dem 4. Juni 1982 einsetzende mörderische Bombardierung der Lager, die weitaus mehr Opfer zur Folge hatte als die falangistischen Massaker, rief, wie auch der Libanonkrieg selbst, keine derartige Reaktion hervor. Und das gilt auch für frühere Greueltaten, wie etwa in Gaza 1956, obwohl in diesem Fall die Tötungsaktionen von der israelischen Armee betrieben worden waren. Insofern ist zunächst schwer zu begreifen, warum das Gemetzel von Beirut ein derartiges Erschrecken hervorrief. Seiner Größenordnung nach ist es mit anderen Greueltaten jüngeren Datums vergleichbar, die im Westen keineswegs für einen Aufschrei des Gewissens sorgten.

Da gab es z. B. das Massaker von Kassinga in Namibia, bei dem 1978 mehr als 600 Personen durch Bomben aus Mirage-Kampfflugzeugen französischer Herkunft und durch paramilitärische Einheiten, die in US-amerikanischen Hercules-Truppentransportern befördert wurden, ums Leben kamen.(Vgl. Chomsky und Herman, Political Economy of Human Rights, Bd. I, S.363. Dieses Massaker wurde von der Presse, mit Ausnahme des New Statesman, mit Stillschweigen übergangen.) Da gab es ferner im Mai 1980 das Massaker am Rio Sumpul in El Salvador, mit dem der Massenmord an Bauern seinen Anfang nahm; eines der letzten Kapitel der Menschenrechtspolitik von Präsident Carter. (Von Kirchengruppen und der internationalen Presse wurde darüber ausführlich berichtet, amerikanische Medien haben es jedoch ein Jahr lang verborgen gehalten.) Dann war da das Massaker vom August 1982, ebenfalls in El Salvador, als US-amerikanische Kampfbomber und in den Vereinigten Staaten ausgebildete Antiterror-Einheiten in der Provinz San Vincente 300 unbewaffnete Dorfbewohner, darunter Kinder, Frauen und Alte, niedermetzelten. Überlebende sprachen von einem »Leichenberg«. (AP, Los Angeles Times, BG, 8.9.1982; Guardian, New York, 22.9.1982) Und schließlich das Massaker vom 17. Juli 1982, als guatemaltekische Truppen 300 Indianer umbrachten. Sie kamen zu Fuß und in Helikoptern (die stammten, wie ihre Berater, aus Israel) und brachten alle Bewohner eines Dorfes um, ausgenommen drei Männer, denen es gelang, sich im Wald zu verstecken. (UPI, Los Angeles Times, 14.10.1982) Alle diese Fälle blieben so gut wie unbeachtet.

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Israel hatte eine wichtige Regel der internationalen Etikette verletzt: Wenn man ein Massenmorden veranstalten will, sollten nicht allzu viele Reporter in der Gegend herumlaufen, und zudem müssen die einheimischen Publikationen den Wert des Schweigens kennen. Wenn Israel den Westen der Heuchelei bezichtigt, hat es die Tatsachen auf seiner Seite. Ganz zu schweigen von der Reaktion der UdSSR, deren Truppen in Afghanistan wüten, oder der Empörung der arabischen Staaten wie etwa Syrien, das gerade Tausende in Hama ermordet hatte, oder Irak oder Khomeinis Iran.

Die Vorgänge in West-Beirut lassen sich, noch einmal gesagt, wie folgt zusammenfassen: 100 bis 150 Milizionäre wurden in die Lager geschickt, um 2 000 schwer bewaffnete palästinensische Terroristen zu bekämpfen. Am Freitag nachmittag wurden die Soldaten ausgetauscht, damit frische Einheiten die Aufgabe vollenden konnten. Wie die Milizen im einzelnen zusammengesetzt waren, ist umstritten, weil keine der bekannten Gruppierungen dabeigewesen sein möchte. Kaum bezweifelbar ist, daß die Truppen hauptsächlich aus Falangisten bestanden, während ein Drittel oder ein Viertel der Angreifer vielleicht von Haddad-Milizen gestellt wurde. Aber in dieser Hinsicht gibt es höchst unterschiedliche Berichte. Israel hat wiederholt beteuert, daß diese Kräfte, die praktisch Bestandteil der israelischen Armee sind, nicht an dem Massaker beteiligt waren, während Überlebende die Verbrechen gerade diesen Milizen vorwarfen. (Eric Silver, Jerusalem, Manchester Guardian Weekly, 3.10.1982, der »verläßliche israelische Quellen« zitiert )

Die genaue Wahrheit wird sich wahrscheinlich nicht mehr rekonstruieren lassen. Klar ist, daß die Greueltaten von Milizionären begangen wurden, die Israel in die Lager gelassen hatte. Darüber hinaus besaßen diese Streitkräfte »eine gut dokumentierte Vorgeschichte an Gewalttaten gegen palästinensische Zivilisten« – was, wie Generalmajor Amir Drori einräumt, zu »Fragen« Anlaß gibt. (Thomas L. Friedman, New York Times, 27.9.1982; Interview mit General Drori)

Davon abgesehen ist die genaue Zusammensetzung kaum von entscheidender Bedeutung. So bemerkt auch David Bernstein in der Jerusalem Post: »Letztlich ist die Frage irrelevant, weil sowohl Haddad als auch die Falangisten in gewisser Weise Produkte Israels sind, insofern sie während der letzten acht Jahre von der israelischen Armee ausgebildet und bewaffnet wurden.« (David Bernstein, Jerusalem Post, 21.9.1982) Daß sie unter israelischer Kontrolle standen, als sie in die Lager eindrangen, kann nicht ernsthaft bezweifelt werden.

Die offizielle Untersuchung

Als die Nachrichten vom Massaker an die Öffentlichkeit drangen, leugnete Israel zunächst, irgend etwas von den Vorgängen gewußt zu haben, rückte dann aber schnell davon ab, um nun mit Entrüstung jegliche Verantwortung von sich zu weisen. Die offizielle Stellungnahme der Regierung erfolgte am 19. September und erschien in verschiedenen amerikanischen Zeitungen in Form einer ganzseitigen Anzeige mit der Überschrift »BLOOD LIBEL«, was auf die alte antisemitische Anschuldigung des Ritualmords verweist. (»BLOOD LIBEL«, New York Times, 21.9.1982. [Der Ritualmordvorwurf behauptete, die Juden würden zum Passahfest Christen, vorzugsweise kleine Kinder, umbringen, um mit dem Blut das Brot zu backen. A. d. Ü.]) Es ist ein gewohnheitsmäßiger Reflex, Kritiker Israels als Antisemiten hinzustellen, womit sich eine rationale Erörterung der Probleme höchst wirksam vermeiden läßt.

Inhaltlich versicherte die Regierung, daß es in dem Gebiet, wo »eine libanesische Armeeeinheit ein Flüchtlingslager betrat, um dort versteckte Terroristen aufzugreifen, … keine Stellung der israelischen Armee« gegeben habe. Weiter wurde behauptet: »Sobald die Israelischen Verteidigungskräfte von den tragischen Ereignissen erfuhren, machten israelische Soldaten dem Gemetzel ein Ende und zwangen die libanesische Einheit, das Lager zu verlassen.« Diese schamlos erlogenen Angaben wurden später stillschweigend fallengelassen. Vor allem die zweite steht nicht nur im Widerspruch zu Augenzeugenberichten zahlreicher Journalisten, sondern auch zu Scharons Aussage vor der Knesset, die er einige Tage später machte. (New York Times, 23.9.1982).

Die israelische Armee drang, wie bereits erwähnt, in Sabra erst lange nach dem Ende des Massakers ein und betrat Schatila überhaupt nicht. Die einzige von Scharon erwähnte »Intervention« war ein am Freitag dem falangistischen Verbindungsoffizier übermittelter Befehl, die Tötungsaktionen einzustellen; aber selbst wenn man Scharons Aussage glaubt, wird die Verantwortung der IDF nur noch größer, weil der Stabschef zu einem späteren Zeitpunkt der Falange für ihre »gute Arbeit« dankte und sie in die Lager zurückschickte, damit sie die Aufgabe zu Ende führen konnten. Die Behauptung, es habe in dem Gebiet »keine Stellung der israelischen Armee« gegeben, muß angesichts der Tatsachen nicht weiter kommentiert werden. Vielmehr war das Gebiet völlig von israelischen Truppen umstellt, und die Soldaten konnten nicht nur sehen, was vor sich ging, sondern müssen auch »die Schreie der Opfer die ganze Nacht gehört haben«. (Jehuda Litani, Ha’aretz, 21.9.1982) Auch die Ausrede, die Lager seien nicht vollständig eingekreist gewesen, so daß die Milizionäre heimlich durch den unbewachten Ostsektor eindringen konnten, hielt angesichts der überwältigenden Gegenbeweise nicht lange stand, und schon bald ließen sich die grundlegenden Fakten nicht mehr leugnen. (Vgl. etwa Avraham Tal, Ha’aretz, 20.9.1982)

Weiteren Aufruhr gab es, als die Regierung Begin sich weigerte, eine vollständige, unabhängige Untersuchung zuzulassen. Scharon bezichtigte die oppositionelle Arbeiterpartei, die dies gefordert hatte, des politischen Taktierens, wobei die Kritik der Opposition an den Vorfällen in West-Beirut sein Urteil zu bestätigen scheint. Der Oppositionsführer, Schimon Peres, begründete seine Forderung nach einer Untersuchung nämlich so: »Und im Namen der Einheit der Nation rufe ich alle Mitglieder dieses Hauses dazu auf, die Israelischen Verteidigungskräfte aus dieser Diskussion herauszuhalten. Lassen wir unsere Söhne, die ihrer Nation treu dienen, aus dem Spiel. Ziehen wir die große und bedeutsame Organisation, die Befehle ausführt und von Schuld unbefleckt ist, nicht in diese schmerzliche politische Auseinandersetzung hinein. Wir sind sicher, daß die Israelischen Verteidigungskräfte an diesem Blutvergießen unbeteiligt waren.« (New York Times, 23.9.1982)

Mithin sollte die »vollständige, unabhängige Untersuchung«, für die die Arbeiterpartei sich stark machte, die a priori schuldlose israelische Armee aussparen und sich auf die »politische Auseinandersetzung«, also die Rolle der Likud-Partei, beschränken. Das aber wäre keine Untersuchung, sondern nur der Versuch, der Regierungspartei an den Karren zu fahren. Allerdings wurde die ablehnende Haltung beider Parteien gegenüber einer ernstzunehmenden Untersuchung innerhalb weniger Tage durch die politische Entwicklung in Israel hinweggefegt und eine vom Obersten Richter Jitzhak Kahan geleitete Kommission ins Leben gerufen. (Der Bericht der Kommission wurde am 8. Februar 1983 veröffentlicht; die offizielle englische Übersetzung erschien am 9. Februar in der Jerusalem Post). (…)

Die Anschuldigungen

Die israelische Regierung wies die Schuld an den Massakern den Falangisten zu. In seiner Aussage vor der Knesset führte Scharon an, daß Israel sich seine »Nachbarn im Nahen Osten nicht aussuchen« könne; wenn es sich bei ihnen um Barbaren handelt, ist das nicht Israel anzulasten. Begin faßte diese Haltung in einem vielzitierten Satz zusammen: »Gojim töten Gojim und hängen dafür die Juden« (David K. Shipler, New York Times, 24.9.1982), ein weiterer Beweis für den unausrottbaren Antisemitismus der Weltöffentlichkeit. Die US-Regierung gab die Schuld den christlichen Milizen und wiesen Israel eine indirekte Verantwortung zu, weil es nicht genug getan habe, um die Massaker zu beenden. Die Arbeiterpartei beschuldigte Begin und Scharon; amerikanische Israel-Anhänger schlossen sich diesem Votum an. Die arabischen Staaten und die PLO gaben den Vereinigten Staaten die Schuld, die Israel gewähren ließen und damit praktisch zum Partner seiner Verbrechen wurden. Die Bemühungen der israelischen Regierung, sich von den Untaten seiner Söldner zu distanzieren, wurden bereits erörtert. Die anderen Schuldzuweisungen verdienen eine nähere Betrachtung.

Zuvor jedoch sei darauf hingewiesen, daß alle diese Schuldzuweisungen einen eindeutigen Zweck verfolgten. Die Arbeiterpartei wollte die Likud diskreditieren und unterstützte deswegen die große Protestdemonstration nach den Massakern, während sie sich bei den früheren Gemetzeln weitgehend zurückgehalten hatte. Israel-Anhänger, die ähnliche oder schlimmere Greueltaten in der Vergangenheit mit Schweigen bedacht und die Palästinenser für deren Unterdrückung verantwortlich gemacht hatten, mußten ihren Langmut, der zu dieser Untat das seine beigetragen hatte, irgendwie rechtfertigen. Die amerikanische Regierung hoffte, daß die Arbeiterpartei an die Macht zurückkehren würde und die arabischen Staaten zum Einlenken zu bewegen seien, damit Reagan den US-amerikanischen Plan für die Region, darunter auch den bereits erwähnten »Friedensplan« in die Tat umsetzen und damit den lange erstrebten strategischen Konsens unter der Vormacht der Vereinigten Staaten befestigen könnte. Die arabischen Anschuldigungen jedoch treffen, zumindest in diesem Fall, ungemütlich genau ins Schwarze …

* Noam Chomsky, Jg. 1928, libertärer Jude, Linguist und politischer Aktivist. Professor am Massachsetts Institute of Technology

** Noam Chomsky: Offene Wunde Nahost. Isarael, die Palästinenser und die US-Politik. Aktualisierte Neuausgabe. Aus dem amerikanischen Englisch von Michael Haupt.
Europa Verlag, Hamburg 2002, zirka 352 S., 19,90 Euro, erscheint am 27. September 2002

Der Textauszug aus dem Buch von Chomsky erschien als Vorabdruck am 16. und 17. September in der "jungen Welt".

Quelle: AG Friedensforschung

 

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